Worte

die ich schrieb

Anleitung zum Streit (von Ulrike Sophie Kapfer)

Es streitet sich besonders gut,
wenn die Vernunft einstweilen ruht.
Der Geist geht stiften
Das Ego mitnichten.

Dieses sich zu Nutz‘ zu machen,
gibt dem Streithahn gut zu lachen.
Doch wie es angehn, ist die Frage,
damit davon den Sieg er trage?

Bekannt ist eine Hypothese
wonach des Streit’s Erfolgsgenese
nicht ein leidenschaftlich’s Fechten
noch das Einklagen von Rechten

sei.
Ei.

Interessanter wirds indes
durch emotional erzeugten Stress.
Am Besten geht’s, wenn gut bekannt,
wo sich der andere fühlt verkannt.

Diese Wunde eignet sich
für den Affront ganz einträglich.
Auch durch gekonntes Missverstehen
blieb Zweisamkeit noch niemals schön.

Und wenn man klug durchdacht
an der falschen Stelle lacht,
geht dies dem andern an die Nieren.
Ein Streit wird köstlich eskalieren!

Harmonie wird flugs vergehen,
bleibt man auf nem Standpunkt stehn,
der mit der Sache nichts zu tun hat.
Und der Gegner geht schachmatt.

Denn ist der and’re erst verwirrt,
unterstellt sich’s leicht, er hätt geirrt.
Er wird fuchsteufelswilde werden
und jede Konstruktivität gefährden,

die zu bewahren er geschworen.
Dem Guten wird der Pelz geschoren!
Er wird zu Mitteln hingezogen,
um die „Kultur“ ihn hätt betrogen.

(Kultur beim Streiten?
Aus welchen Breiten
stammt dieser Unsinn überhaupt?
Streitkultur ist echt verstaubt.)

Das Gezähn wird präsentiert,
und der andere malträtiert.
Bis auf Blute wird gestritten,
gelogen, getriezt und auch bestritten.

Ist so der Widersacher dann erzürnt
wird weiter auf ihn eingestürmt.
Verletzung wird ihm unterstellt,
der man stets zum Opfer fällt.

Und überhaupt ist Opfertum
fürs Gewinnen opportun.
So wird der Gegner durchgemangelt,
bis es ihm an Würde mangelt.

Doch Obacht, Freunde, denket klug,
wer Streit noch selten gut vertrug,
sollte lieber seine Hand von lassen,
Den mit Streit ist nicht zu spaßen:

Streit ist wie ein Nagetier,
Aus einem werden schnell mal vier….